Die Woche, in der man an allem zweifelt
Der Eintritt ist gerade erfolgt, und alles kommt gleichzeitig: Sie weint, wenn Sie gehen, will nach Hause, wirkt verwirrter als vorher, schläft viel, isst wenig. Sie rufen abends an, man sagt „alles in Ordnung" — und Sie fahren mit dem Gefühl heim, alles falsch gemacht zu haben.
Fast all das ist in den ersten Wochen normal und kein Beweis für eine falsche Wahl. Ein Umzug mit 85 Jahren erzeugt eine vorübergehende Desorientierung — bei einer Demenz ist sie fast die Regel. Das Eingewöhnen dauert meist einige Wochen, und beurteilen lässt sich das Haus im zweiten oder dritten Monat, nicht am dritten Tag.
Was in den ersten Wochen normal ist
- Weinen und die Bitte, nach Hause zu dürfen — besonders beim Abschied.
- Scheinbar stärkere Verwirrtheit in den ersten zehn bis fünfzehn Tagen, danach langsames Zurechtfinden.
- Weniger Appetit: anderes Essen, andere Zeiten, ein Tisch mit Fremden.
- Unruhiger Schlaf, lange Mittagsschläfchen.
- Erst Ablehnung der Angebote, dann allmähliches Mitmachen.
- Sätze, die wehtun: „ihr habt mich abgeschoben". Bei einer Demenz heisst das oft „ich habe Angst".
Fragen Sie das Personal, wie es ihr geht, wenn Sie nicht da sind. Viele Familien erfahren, dass sie isst, plaudert und mitmacht — und nur weint, wenn Sie kommen, weil sie sich freut.
Was bei Besuchen hilft
- Kurze, häufige Besuche wirken besser als lange und seltene.
- Fragen Sie nicht „willst du nach Hause?" — das öffnet eine Tür, die Sie nicht schliessen können.
- Immer gleicher, kurzer Abschied: „Ich komme am Mittwoch wieder" schafft einen verlässlichen Rhythmus.
- Ihre Dinge mitbringen: Sessel, Decke, Fotos mit Namen auf der Rückseite, Radio.
- Eine Seite über ihr Leben ans Personal: Beruf, Namen der Kinder, wie sie angesprochen werden möchte, was sie beruhigt.
- Kleidung kennzeichnen, Brille, Zahnprothese und Hörgerät inventarisieren.
Zeichen, die nichts mit „Eingewöhnung" zu tun haben
- Gewichtsverlust in den ersten Wochen oder unangetastete Teller, die niemand meldet;
- Austrocknung: trockene Lippen, dunkler Urin, neue Schläfrigkeit;
- Sedierung: Ist sie plötzlich „ganz ruhig" und abwesend, fragen Sie nach neuen Medikamenten und der Überprüfung;
- unerklärte Blutergüsse oder ein Sturz, von dem Sie zufällig erfahren;
- Rötungen an Kreuzbein, Fersen, Hüften: Beginn eines Dekubitus;
- Klingel ohne Antwort, während Sie dabei sind.
Bitten Sie nach vier bis sechs Wochen um ein Gespräch mit dem Team. Bleiben Probleme ungelöst, wenden Sie sich an die kantonale Aufsichtsbehörde für Alters- und Pflegeheime; bei Fragen zu Massnahmen, die die Bewegungsfreiheit einschränken, ist die Erwachsenenschutzbehörde (KESB) zuständig. Schriftliches wird anders behandelt als eine Bemerkung im Flur.
Prüfen Sie auch die erste Rechnung
Kontrollieren Sie, was als Pflege (anteilig von der Krankenkasse getragen) und was als Pension verrechnet wird. Reichen Rente und Vermögen nicht, deckt die Ergänzungsleistung die Differenz, dazu kommt die Hilflosenentschädigung — beides muss beantragt werden, siehe Anträge-Hilfe.
Ist es das Haus oder die Umstellung?
Eingewöhnung wird besser, auch im Zickzack. Das falsche Haus wird nicht besser. Dann ist ein Wechsel möglich und kein zweites Scheitern — und wenn Schuldgefühle bremsen: „Ich hatte ihr versprochen, sie nie ins Heim zu geben".
Wichtiger Hinweis
Allgemeine Informationen, kein Ersatz für ärztlichen Rat. Aufnahme, Preise und Platzverfügbarkeit liegen bei den Heimen und den zuständigen kantonalen Stellen.