Das Gesicht geht vor dem Gefühl
Sie kommen herein, und Ihre Mutter sieht Sie mit freundlicher Distanz an — so, wie man einen netten Menschen ansieht, dessen Namen einem nicht einfällt. Das ist einer der schmerzhaftesten Teile der Demenz und einer der am meisten missverstandenen.
Im Gehirn geht das Erkennen von Gesicht und Namen lange vor dem Erkennen des Gefühls verloren. Ihre Mutter kann nicht wissen, dass Sie ihr Sohn sind — und trotzdem genau wissen, dass Sie jemand Sicherer sind. Dieser Teil bleibt an, wenn fast alles andere erloschen ist.
Die Frage, die man nie stellen sollte
„Mama, weisst du, wer ich bin?" Fast alle stellen sie, und sie richtet den grössten Schaden an: Sie stellt die Person auf die Probe, sie spürt ein Versagen, ohne zu verstehen warum. Stellen Sie sich beiläufig vor: „Grüezi Mama, ich bin Markus, dein Sohn — ich habe dir Guetzli mitgebracht."
Korrigieren Sie ihre Wirklichkeit nicht
Widerspruch („Grosi ist vor dreissig Jahren gestorben") lässt sie eine Trauer noch einmal durchleben. Gehen Sie in ihre Zeit und führen Sie sie sanft weiter: „Das ist erledigt, komm, setz dich." Auf das Gefühl antworten, nicht auf die Tatsache.
Was besser wirkt als Worte
- Die Hände: Hand halten, Creme auftragen, Haare bürsten.
- Die Musik ihrer Jugend — die Jahre zwischen 18 und 25. Menschen, die nicht mehr sprechen, singen ganze Strophen. Dialektlieder wirken oft am stärksten.
- Gemeinsam etwas tun statt reden: Handtücher falten, den Gang entlanggehen, aus dem Fenster schauen.
- Alte Fotos, Namen auf der Rückseite.
- Ein Geschmack von zu Hause.
- Gemeinsames Schweigen — auch das ist ein vollständiger Besuch.
Wann und wie lange
Kurze, häufige Besuche sind besser als lange und seltene, und der Vormittag ist meist besser als der späte Nachmittag, wenn die Unruhe steigt.
Wenn sie wütend wird oder nach Hause will
Aggression bei Demenz ist fast immer Angst, Schmerz oder zu viel Reiz. Stimme senken, langsamer werden, Lärm wegnehmen. Vermeiden Sie „das hier ist jetzt dein Zuhause": „Zuhause" ist oft keine Adresse, sondern das Gefühl von Sicherheit.
Der Abschied — und was wirklich tröstet
Verabschieden Sie sich immer gleich: „Ich komme am Mittwoch wieder." Sie wird sich nicht erinnern, dass Sie da waren — aber die Stimmung, die Sie hinterlassen, hält Stunden an. Fragen Sie das Personal, wie es ihr geht, nachdem Sie gegangen sind.
Manche Häuser machen einen guten Besuch unmöglich — kein ruhiger Platz, kein Garten, Fernseher auf voller Lautstärke. Wenn jeder Besuch ein Kampf mit der Umgebung ist, liegt es nicht an Ihnen. Curalune Hilfe (CHF 99) stellt in der Regel innerhalb von 24 Stunden eine Auswahl von 3–5 passenden Heimen zusammen.
Wichtiger Hinweis
Allgemeine Informationen, kein Ersatz für ärztlichen Rat. Jede plötzliche Verhaltensänderung sollte ärztlich abgeklärt werden: Bei alten Menschen zeigt sich ein Harnwegsinfekt oft nur als Verwirrtheit.