Es ist nicht „das Alter"
Man sieht es vor der Waage: die Hose, die sich dreht, der Ring, der rutscht, das eingefallene Gesicht. Und dann heisst es: „In dem Alter essen sie eben weniger."
Als Erklärung ist das falsch. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust im Pflegeheim ist ein Qualitätsindikator — und er hat fast immer eine auffindbare Ursache. In der Schweiz erheben Heime Mangelernährung als nationalen Qualitätsindikator: Die Zahlen werden gemessen, Sie dürfen danach fragen.
Die Grenzwerte, ab denen gehandelt werden muss
5 % Gewichtsverlust in einem Monat oder 10 % in sechs Monaten sind eine Mangelernährung, die abgeklärt werden muss — keine Schwankung.
Ursachen ausschliessen, in dieser Reihenfolge
- Der Mund. Kaputte Zähne, Mundsoor, eine nach Gewichtsverlust zu grosse Prothese — sie drückt, also isst man weniger. Verlangen Sie eine zahnärztliche Kontrolle.
- Das Schlucken. Husten beim Essen, feuchte Stimme, endlose Mahlzeiten, wiederholte Lungenentzündungen: Verlangen Sie eine logopädische Abklärung.
- Die Medikamente. Viele dämpfen den Appetit. Beim alten Menschen ist Absetzen manchmal die beste Behandlung.
- Schmerz und Verstopfung. Stille Ursachen bei Menschen, die sich nicht mehr äussern.
- Depression. Häufig nach dem Eintritt, oft für Demenz gehalten.
- Die Demenz selbst: vergessen, wie Besteck geht, Essen nicht erkennen. Das ist keine Ablehnung.
Die am seltensten zugegebene Ursache: niemand hilft
Das Tablett wird hingestellt und fast unangetastet abgeräumt. Wer die Gabel nicht mehr zum Mund führen kann, braucht einen Menschen, der zwanzig Minuten daneben sitzt. In einem unterbesetzten Haus verschwindet genau das zuerst.
Kommen Sie unangemeldet mittags: wie viele Pflegende für wie viele Bewohner am Tisch, wer hilft, wie lange dauert die Mahlzeit? In zehn Minuten wissen Sie es.
Was Sie schriftlich verlangen können
- regelmässiges Wiegen — mindestens monatlich, bei Verlust wöchentlich — und Einsicht in die Gewichtskurve;
- Ernährungs- und Trinkprotokolle über mehrere Tage;
- Ernährungsberatung und bei Schluckstörung Logopädie — beide sind bei ärztlicher Verordnung Pflichtleistungen der Krankenkasse;
- Medikamentenüberprüfung durch den Heim- oder Hausarzt;
- Essensbegleitung in der Pflegeplanung, mit der nötigen Zeit;
- Anreicherung der Speisen statt nur Trinknahrung.
Bleibt es folgenlos, hilft die Unabhängige Beschwerdestelle für das Alter (UBA) kostenlos, und die kantonale Heimaufsicht kann kontrollieren.
Was wirklich hilft
Kleinere Portionen, häufiger; Fingerfood; Gerichte aus ihrem Leben statt Standardmenü; Essen in Gesellschaft; die Tageszeit mit dem besten Appetit; und Ruhe.
Die Frage der Sonde bei fortgeschrittener Demenz
Nach heutiger Studienlage verlängert eine PEG-Sonde bei weit fortgeschrittener Demenz das Leben nicht und verhindert keine Aspirationen. Empfohlen ist das Essen und Trinken zum Wohlbefinden. Sie dürfen ein palliativmedizinisches Konsil verlangen und ablehnen; eine Patientenverfügung ist hier entscheidend.
Essensbegleitung ist Grundpflege. Kann ein Haus sie nicht leisten, passt das Haus nicht zum Pflegebedarf. Curalune Hilfe (CHF 99) stellt in der Regel innerhalb von 24 Stunden eine Auswahl von 3–5 passenden Heimen zusammen.
Wichtiger Hinweis
Allgemeine Informationen, kein Ersatz für ärztlichen Rat. Schneller Gewichtsverlust oder Fieber müssen sofort abgeklärt werden.