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Ratgeber

Guide8 Min. geschätzte LesezeitVeröffentlicht am 31.07.2026

„Sie ruft zwanzigmal am Tag an": was wirklich passiert — und was hilft

Das Telefon um 7, um 11, um 15, um 21 Uhr. Immer derselbe Satz. Warum es keine Manipulation ist, die drei Antworten, die alles schlimmer machen, und wie Sie mit Vorwürfen umgehen, ohne sie abzutun.

Warum dieser Ratgeber zählt

Gedacht, um die Unsicherheit von Familien zu verringern, die Kosten, Dringlichkeit, Wartelisten und reale Optionen verstehen müssen.

Es klingelt um sieben. Dann um elf. Dann um drei. Dann um sechs, und noch einmal um neun. Immer derselbe Satz: „Hol mich hier raus", oder „man hat mir nichts zu essen gegeben", oder „man hat mir die Handtasche gestohlen".

Und irgendwann passiert das, was Sie niemandem erzählen: Sie bekommen Angst vor Ihrem eigenen Telefon.

Diese Seite erklärt, was wirklich passiert, und gibt Ihnen etwas, das funktioniert.

1. Das Wichtigste zuerst

Sie verfolgt Sie nicht. Sie erinnert sich nicht daran, angerufen zu haben.

Bei Demenz geht das Kurzzeitgedächtnis zuerst. Jeder Anruf ist für sie der erste Anruf. Sie bohrt nicht nach: Sie ruft jetzt an, zum ersten Mal, mit derselben Angst wie vor einer halben Stunde — von der sie nicht weiss, dass sie sie schon hatte.

Sie werden nicht emotional erpresst: Sie erleben ein Gedächtnis, das sich zurücksetzt. Und Ihre Erschöpfung bleibt trotzdem berechtigt.

2. Worum sie wirklich bittet

  • Angst, die sich bei Demenz als Kontaktbedürfnis äussert;
  • Desorientierung: Sie weiss nicht, wie spät es ist, welcher Tag, wann Sie kommen;
  • eine bestimmte Tageszeit. Häufen sich die Anrufe nach 17 Uhr, ist das Sundowning;
  • das Bedürfnis, eine vertraute Stimme zu hören.

Führen Sie eine Woche lang eine Liste: Uhrzeit, was sie sagt, was gerade vorher war. Fast immer zeigt sich ein Muster.

3. Drei Antworten, die alles schlimmer machen

Sie mit Fakten korrigieren. „Mama, du hast schon dreimal angerufen." Für sie stimmt das nicht — es kommt an als *ich störe, und du schimpfst*.

Lange Telefonate. Je länger Sie sprechen, desto aktivierter ist sie. Kurze Anrufe beruhigen, lange regen auf.

Einen Besuch versprechen. „Ich komme morgen", gesagt, um das Gespräch zu beenden, ist das Schlimmste.

4. Was wirklich hilft

Verlässlichkeit schlägt Erreichbarkeit. Ein kurzer Anruf, immer zur selben Zeit, von Ihnen aus.

Ein festes Skript: „Hallo Mama, ich bin's. Mir geht es gut. Heute habe ich X gemacht. Am Donnerstag komme ich und bringe dir Zwetschgen mit."

Immer mit einem konkreten Termin beenden.

Das Gefühl bestätigen, nicht den Inhalt. „Du fühlst dich allein. Ich weiss."

Sagen Sie es dem Personal und bitten Sie darum, es in den Betreuungsplan aufzunehmen: „Meine Mutter telefoniert zwischen 17 und 20 Uhr zwanghaft; ich bitte um eine Abklärung, was in diesem Zeitfenster passiert."

5. Die Vorwürfe: „man hat mir die Handtasche gestohlen"

Zwei Möglichkeiten gleichzeitig offenhalten.

Manchmal ist es Konfabulation — das Gehirn füllt eine Gedächtnislücke mit einer plausiblen Erklärung. Und manchmal stimmt es.

Die Regel

  • niemals diskutieren;
  • still prüfen, was prüfbar ist: die Tasche im Schrank, das Ernährungsprotokoll erbitten, zur Mittagszeit unangemeldet vorbeikommen;
  • hält es stand, ist es eine andere Sache;
  • hält es nicht stand, antworten Sie auf das Gefühl: „Du hast dich erschrocken. Wir schauen zusammen nach."

6. Das Telefon selbst

Früher oder später rät jemand, es ihr wegzunehmen. Denken Sie zweimal nach.

Das Telefon ist ihre Verbindung zur Welt. Und ein Punkt, den kaum jemand kennt: Wird der Kontakt nach aussen eingeschränkt, um jemanden ruhigzustellen, bewegt man sich im Bereich der bewegungs- und freiheitseinschränkenden Massnahmen (Art. 383–385 ZGB) — mit Protokollpflicht, Information der Angehörigen und dem Recht jeder nahestehenden Person, die Massnahme bei der KESB anzufechten. Wenn das wirklich zur Debatte steht, gehört es dokumentiert, nicht stillschweigend geregelt.

Alternativen, die besser wirken

  • ein einfaches Telefon mit Fototasten;
  • eine Uhr mit gut lesbarem Datum und Wochentag im Zimmer;
  • ein grosses Blatt neben dem Telefon: „Heute ist Dienstag. Anna kommt am Donnerstag.";
  • ein Anrufbeantworter mit Ihrer Stimme.

7. Sich selbst schützen

Sie müssen nicht jeden Anruf annehmen. Zwei kurze, ruhige Anrufe am Tag sind besser als zwanzig angespannte.

Legen Sie ein Zeitfenster fest und teilen Sie es dem Heim mit: „Ich gehe zwischen 18 und 19 Uhr ran; wenn etwas Wichtiges ist, rufen Sie mich an."

8. Wenn die Anrufe auf etwas anderes hinweisen

  • sie beginnen plötzlich: nach Harnwegsinfekt oder Schmerzen suchen lassen;
  • der Inhalt ändert sich, Angst vor einer bestimmten Person taucht auf;
  • sie fallen mit einer bestimmten Schicht zusammen;
  • dazu Gewichtsverlust, blaue Flecken, neue Schläfrigkeit.

Dann ist das Thema nicht das Telefon, sondern das, was passiert, wenn sie auflegt. Bei Verdacht: Alter ohne Gewalt, 0848 00 13 13.

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